Sustainable Nipper Advance – 6 Wochen später (inkl. Tests)

Kaum ein anderer Single Blade Nipper wurde so stark neben dem GodHand und dem DSPIAE gehyped und ich war nach ersten Tests sehr zufrieden und habe den Sustainable Nipper Advance sogar die höchste Punktzahl in seiner Kategorie verliehen.

Doch wie sieht es jetzt, 6 Wochen später, aus? Bin ich noch immer zufrieden? Ist es ein wirklich ein so guter Nipper oder war ich etwas zu überschwänglich? Was sagen andere Reviews?

Wenn man auf die japanische Amazon Webseite schaut, dann wird der Sustainable Nipper Advance geradezu mit schlechten Kommentaren überhäuft und die Bewertung beträgt gerade mal 1.9 von 5.0 Sternen. Habe ich mich also so getäuscht oder dich sogar belogen?

Auch auf Reddit werden ebenfalls einige Kritiken zu diesem Single Blade Nipper geäußert. Doch was wird überhaupt genau bemängelt?

  • Die Klinge ist nicht scharf genug.
  • Die Schraube stört beim „flush cut“. Also um das Gate direkt am Teil zu trennen.
  • Die verbleibenden Nub-Marks sind zu groß.
  • Die Klingen sind schlechte Qualität und der Kosten-/Nutzen-Faktor stimmt deshalb nicht.

Die Klinge ist nicht scharf genug.

Den ersten Punkt kann ich definitiv nicht nachvollziehen. In meinem Set sind sowohl die vormontierte Klinge, als auch die Ersatzklingen sehr scharf und stehen weder dem GodHand noch dem DSPIAE in irgendeiner Weise nach. Zugegeben habe ich derzeit erst 2 und 1/2 Bausätze damit verarbeitet. Doch kann ich aktuell keine Abnutzung der ersten Klinge feststellen, was mich sogar selbst etwas überrascht. Denn hier hatte ich definitiv erwartet, dass sich die Klinge schneller abnutzt, da diese ja bei dem Nipper ersetzbar ist und es dem Hersteller nicht viel bringen würde, wenn die Klingen übermäßig lange halten würden (Entsprechend dem Alu-Leiter Prinzip. Ein Hersteller, welcher Alu-Leitern verkauft, die >70 Jahre halten, würde irgendwann keine mehr verkaufen können, da seine Qualität zu Langlebig wäre und die Leute einfach keine Neuen bräuchten und keine weitere Nachfrage bestände).

Die Schraube stört beim „flush cut“.

Diesen Kommentar kann ich ein Stück weit nachvollziehen, ist aber objektiv gesehen, einfach die falsche Erwartung in den Nipper gesteckt zu haben. Beim Flush Cut geht es ja vorrangig darum, das Gate so nah am Teil zu durchtrennen, wie es nur geht. Am besten so, dass keine Nub Marks hinterlassen werden.

Dabei stimmt es, dass der Teil mit der Schraube eine Abstufung zur Klinge hat und dadurch etwas übersteht und man mit dem Klingenende am Teil anstößt. Das haben andere Nipper nicht in der Form, da die Klinge eben nicht getauscht werden kann und dort geht der Klingenansatz auch dann gleich in den Hauptkörper des Nippers ohne Abstufung über.

Hat man also sehr große bzw. breite Teile, wo das Gate nicht direkt an der Kante liegt oder sich in Reichweite der Klingenlänge befindet, so ist dieses Teil definitiv schwieriger mit dem Sustainable Nipper zu trennen als vergleichsweise mit einem GodHand. Doch sollte man hier fair bleiben, und dann auch erwähnen, dass das Resultat mit einem GodHand in dem Fall auch nicht viel besser wäre und es dann wiederum vergleichsweise einfacher mit einem 3.peaks SPN-165S wäre.

Es gibt immer einen noch größeren Fisch

Qui-Gon Jinn

Zumindest bei den Gunpla Kits von Bandai kommt es sehr selten vor, dass die Nub Marks inmitten einer großen Fläche platziert werden. Zwar kann ich dies nicht bei Kits anderer Hersteller wie z. B. die Tragflächenteile von Flugzeugen ausschließen. Doch bezweifele ich, dass es dann wirklich an der Schraube hält, und es eher durch die Klingenlänge entschieden wird, wie man das Gate am saubersten durchtrennt bekommt.

Und da wir schon bei der Zugänglichkeit der Gates sind. Bandai beweist derzeit bei seinen Kits eindrucksvoll, dass auch reguläre Nipper, ohne störende Schraube, nicht unbedingt für einen Flush Cut eingesetzt werden können, da deren Aufteilung der Teile auf dem Runner sowie deren Gate-Platzierung ziemlich unzugänglich für Nipper mit kurzer Klinge geworden sind.

Wie in den Kommentaren aber dann angemerkt zu sagen, der Hersteller hätte dies voraussehen müssen und es anders regeln sollen, halte ich für zu überspitzt. Ich denke sogar, dass dies durchaus berücksichtigt wurde, nur halt die Fälle, in denen die Gates inmitten einer großen Fläche platziert werden, als zu vereinzelt und zu selten betrachtet wurden. Eventuell wird es ja auch zukünftig eine verbesserte Version des Nippers geben, in welcher dieses Problem stärker berücksichtigt wird.

Wer also nur den Flush Cut benutzt, für den ist der Sustainable Nipper eventuell nur bedingt geeignet. Ob ein GodHand besser ist, bleibt aber dann auch offen, denn wer wirklich die Teile ohne verbleibenden Hubel abtrennen will, sollte eher zu einem Seitenschneider ohne Wate greifen (mal die dadurch entstehenden Stressmarken außen vor gelassen). Das liegt dann nun mal generell in der Natur der unterschiedlichen Bauweisen der verschiedenen Nipper und nicht nur an dieser Schraube.

Die verbleibenden Nub Marks sind zu groß.

Diesem Kommentar pflichte ich bei und dies war ein Punkt den ich bereits in meiner ersten Review erwähnt hatte. Doch Frage ich mich, warum es als Negativ gewertet wird? Klar, es ist kein Flush Cut. Doch kaum ein Single Blade Nipper schafft es ein Teil, ohne verbleibenden Hubel abzutrennen. Auch kein DSPIAE oder GodHand. Etwas mehr Plastik über zu haben hat sich bei meinen Kits sogar im Endeffekt als vorteilhaft erwiesen, denn ich habe für mich festgestellt, dann die Nub-Marks sauberer mit Schleifpapier, der Glasfeile oder dem Cutter geglättet zu bekommen. Bei den sehr kleinen Hubel, wie sie bei einem Flush Cut mit dem GodHand oder DSPIAE verbleiben, bestehen die Probleme, dass man die Hubel entweder nicht oder nur schwer mit der Glasfeile geglättet bekommt (wenn die Oberfläche des Teils nicht gerade ist) oder alternativ mit dem Cutter oder Schleifpapier einen kleinen Krater erzeugt oder aber am Rand der Nub-Mark eine weiße Linie (Stressmarke) bestehen bleibt, die man dann nicht mehr komplett entfernt bekommt. Ist die verbleibende Nub-Mark vom Anfang der Bearbeitung an etwas höher, entstehen diese Probleme deutlich seltener. Einmal mehr ein Grund warum ich keine direkten Flush Cuts mache und immer ein Stück beim Gate Cut zurücklasse um diese dann weiterzuverarbeiten.

Die Klingen sind schlechte Qualität und der Kosten-/Nutzen-Faktor stimmt deshalb nicht.

Bei einem der Kommentare auf dem japanischen Amazon wird zusätzlich ein Bild einer gebrochenen Klinge gezeigt und sogar erwähnt, dass dies bei Standard 3 mm Gates passiert ist. Da mir dies selbst bereits bei anderen Nippern vorgekommen ist, weiß ich, wie frustrierend dieses Erlebnis sein kann. Schließlich hat man ja gutes Geld für den Nipper bezahlt. Dieser Kommentator zweifelt natürlich auch jetzt an den Ersatzklingen. Auf Reddit wird derweil der Kosten-/Nutzen-Faktor diskutiert, wobei die gebrochene Klinge nun ein gutes Beispiel für die Vorteile eines solchen Nippers liefert.

Denn die Klinge ist tauschbar und der Schaden beläuft sich hier auf ein Minimum. Drei Ersatzklingen kosten ca. 7 €. Also kostet der Schaden gerade mal etwas mehr als 2€. Wenn auch ärgerlich, ist es noch in einem vertretbaren Rahmen, sollte Amazon oder der Hersteller keine Gewährleistung leisten. Es kommt nun mal vor, dass Werkzeuge durch einen Produktionsfehler kaputtgehen und sollte dies häufiger vorkommen, muss natürlich von Seiten des Herstellers gehandelt werden.

Anders als auf Reddit erwähnt, empfinde ich daher den Kosten-/Nutzen-Faktor als äußerst günstig. Denn muss man den ganzen Nipper wegen eines Defekts bereits frühzeitig entsorgen, da dieser nicht mehr repariert und benutzt werden kann, war jeder bezahlte Betrag im Endeffekt unrentabel, egal wie wenig es gekostet hat (Siehe dazu den Ruitool RM 1.0).

Testzeit

Um auch wirklich sicher zu gehen habe ich sechs Teile für Tests mit verschiedenen Nippern gemacht. Mal schauen ob du herausfindest, welches Teil mit welchem Nipper vom Runner getrennt wurde. Hierbei handelt es sich um reine single Flush Cuts bei denen der Nipper direkt am Teil angesetzt wurde.

So schlecht sehen die Tests doch alle nicht aus. Dann schau dir doch die Auflösung an und prüfe ob du die Nipper erraten konntest.

Flush Cut Test – Bild #1

DSPIAE ST-A Single Blade Nipper 3.0 (2021 Re-Edition)

Flush Cut Test – Bild #2

PIC Sustainable Nipper Advance

Flush Cut Test – Bild #3

GodHand Ultimate Nipper 5.0

Flush Cut Test – Bild #4

HSIANG HMT-18001

Flush Cut Test – Bild #5

PIC Sustainable Nipper Advance | Überrascht? Zwei der sechs Testteile wurden mit dem Sustainable Nipper Advance abgetrennt.

Flush Cut Test – Bild #6

3.peaks SPN-145S

Neue Erkenntnis, die mir bis dato auch noch nicht aufgefallen war.

Bei den Bildern 1, 3 und 4 gibt es Schrammen an einer Seite. Diese kommen von der Gegenseite der Klinge. Dieses Gegenstück besitzt bei den meisten Single Blade Nippern eine scharfe Kante, welche dann auch bei einem Flush Cut, Schrammen erzeugen. Die Kanten beim Gegenstück vom Sustainable Nipper Advance hingegen sind leicht abgerundet und erzeugen daher keine Schrammen. Der 3.peaks SPN-145S hat eine andere Bauform und erzeugt deshalb auch keine. Diese Erkenntnis kommt etwas überraschend und sind mir bisher nie wirklich aufgefallen, so dass ich froh bin diese Tests noch zusätzlich gemacht zu haben.

Erneutes Fazit

Ich bleibe bei meiner vorigen positiven Meinung und der exzellenten Bewertung und kann die negativen Kommentare bei Amazon sowie die Kritik bei Reddit nicht bestätigen und würde nach den eigenen Tests sogar soweit gehen und die schlechten Bewertungen teils als Humbug abstempeln. Einzig die Feder möchte ich im Nachhinein noch stärker bemängeln als es in der ersten Review der Fall war. Die ist mir definitiv zu schwach und könnte straffer sein, auch wenn sie es schafft den Nipper ganz zu öffnen.

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